Sex sells, heißt
es. Sex ist das Thema Nummer Eins,
heißt es weiter. Grund genug, sich einmal an einer erotischen Geschichte zu
versuchen, dachte ich mir. Außerdem gefiel mir die Vorstellung, mit nassem
Höschen vor dem Laptop zu sitzen und mir versaute Sachen auszudenken. Das fühlt
sich bestimmt gar nicht nach Arbeit an, dachte ich mir.
Von wegen. Auch wenn Sex vielleicht das älteste Gewerbe der
Welt ist, ist es für mich literarisches Neuland, das ich mir erst keuchend und
schwitzend erschließen muss. Als lyrische Jungfrau habe ich noch eine Menge zu
lernen, aber von wem? Um ein Gefühl für die schlüpfrigen Feinheiten der erotischen
Literatur zu bekommen, habe ich erst mal ein bisschen recherchiert.
Seit es eBook-Reader gibt, lässt sich das ja überall
inkognito erledigen. Es ist nicht mehr so wie früher, wo man noch mit dem
aktuellsten Marquis de Sade auf den Knien in der Bahn schief angeguckt wurde.
Nein, heute kann man den Schweinkram diskret auf dem Weg zur Arbeit oder in der
Mittagspause genießen. Zwischen verschlafenen, ahnungslosen Mitmenschen, was ich
ziemlich aufregend finde. Ungefähr so, als würde ich im knappen Rock ohne
Höschen durch die Stadt laufen. Nicht, dass ich das jemals getan hätte. Aber es
ist eine geile Vorstellung, oder?
Wenn du nicht ausgerechnet der prüde Google-Bot bist,
stellst du dir jetzt gerade die heiße
Textschlampe ohne Höschen vor. Und sei ehrlich, dir gefällt, was du siehst.
Genau darum geht es doch bei erotischen Texten. Um unanständige Gedanken, verlockende
Möglichkeiten und verborgene Wünsche.
Zumindest in der Theorie. Nach ein paar Zugfahrten erwog ich
ernsthaft, eine Fahrkarte ins Kloster zu lösen. Poetisches Pimpern hatte ich
mir irgendwie aufregender vorgestellt. Die meisten Geschichten erinnerten michan drittklassige Actionfilme, die sexuelle Handlungen endlos aneinanderreihten.
Ohne interessante Figuren, ohne nennenswerte Konflikte und ohne Sinn und
Verstand. Ich sah ja ein, dass ich meine Erwartungen viel zu hoch geschraubt
hatte. Das erste Mal ist halt immer scheiße. Aber trotzdem.
Mein Interesse an Schuddelliteratur war verflogen. Das
Genre, das eben noch so unheimlich spannend erschien, langweilte mich plötzlich.
In meinem Frust verschlug es mich in die Bahnhofsbuchhandlung, dem Mekka der verdorbenen
Reisebegleitung. Ich kam sogar mit dem Besitzer ins Gespräch, der nicht mit
lehrreichen Details über erotische Medien geizte. „Es gibt zwei Arten von
Erotik“, sagte er. „Die für Männer.“ Er deute nach rechts auf die Wand mit
Hochglanzheften. „Und die für Frauen.“ Er deutete nach links auf den Tisch mit
Taschenbüchern.
Männer, so erklärte er weiter, bräuchten den visuellen Reiz.
Bilder von nackten Körpern eben. Die Hefte bedienten die Kundenwünsche ziemlich
eindeutig. Die prallen Damen auf den Covern sorgten dafür, dass ich Coupé nicht
mit einer Autozeitung verwechselte oder Praline für ein Süßwarenmagazin hielt.
Weibliche Erotik, fuhr der ergraute Besitzer fort, spiele sich im Kopf ab. Auf
dem Büchertisch lagen massenweise Titel wie Shades of Grey, Völgelfrei oder Fucking
Berlin.
Männer gucken, Frauen lesen. Lektion verstanden. Solange ich
also nicht zur Fotoschlampe umsattele, besteht meine Zielgruppe in erster Line
aus Frauen. Sorry, Männer. Ich kann mich nicht dazu durchringen, wirklich ohne Höschen durch die Stadt zu
laufen und mein kleines dreckiges Hobby mit dem Handy zu dokumentieren. Die
Textschlampe gibt’s bis auf weiteres nur in Prosaform.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen