Erotische Geschichten drehen sich bekanntlich um erotische
Handlungen. Mit anderen Worten: Es wird §?@$!#%
bis sich die Balken biegen, das Lattenrost kracht und die Bettfedern springen.
Was die Damen und/oder Herren da so miteinander anstellen, ist ziemlich
eindeutig. Die Frage ist nur, wie finde ich dafür die passenden Worte?
So wie ich das sehe, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder
beschränke ich mich auf vorsichtige Andeutungen und achte darauf, dass die bis
zum Kopf hochgezogene Bettdecke nicht verrutscht. Ungefähr so: „Ihre Körper wanden sich in Ekstase, bis sie
endlich den ersehnten Höhepunkt erreichten, der wie ein Tropengewitter über sie
hereinbrach.“ Etwas schwulstig, aber du merkst schon, worauf ich hinaus
will.
Oder ich gehe unter die Hardcore-Autoren und widme mich den
schlüpfrigen Details. „Als sein
gewaltiger Zauberstab in ihre triefende Lustgrotte eindrang, fand ihr geiler
Kitzler endlich Erlösung.“ Ach, du meine Güte, klingt das scheiße! Wenigsten
muss der Leser nicht lange überlegen, was sich die Textschlampe unter einem
Tropengewitter vorstellt. Trotzdem liest sich der Satz billig und verklemmt. Billig,
weil die Handlung irgendwie banal ist. Verklemmt, weil ich die Dinge nicht beim
Namen nenne. Ich bezeichne sein bestes Stück als Zauberstab. Hubs, habe ich
gerade bestes Stück geschrieben? Das ist ja schon wieder eine verklemmte Umschreibung.
Also gut: „Als sein
pulsierender Penis in ihre feuchte Scheide eindrang, fand ihre Klitoris endlich
Erlösung.“ Mal ganz davon abgesehen, dass ein gleichzeitiger vaginaler und
klitoraler Orgasmus eher ins Reich der Legenden gehört, liest sich der Text
auch nicht besser. Der Heftroman hat sich gerade in ein Anatomiebuch
verwandelt.
In meiner Kurzgeschichte benutze ich meistens die Wörter Penis
oder Schwanz. Ganz glücklich bin ich mit beiden nicht. Penis ist mir oft eine
Spur zu neutral. Es hört sich so korrekt an wie ein Dudeneintrag und erinnert
mich an Arztpraxen, die Volkszählung oder den Steuerbescheid. Genau wie Glied,
das mir gar nicht gefällt. Sobald mein versautes Pärchen in Fahrt kommt,
schreibe ich Schwanz. Lächerliche Umschreibungen wie „seine pralle
Männlichkeit“ gehen gar nicht, da greife ich lieber zum bewährten Ständer. Ganz
selten kommt mir schon mal ein bestes Stück unter, aber nie in Sexszenen. Die
Morgenlatte hat es auch schon aufs Papier geschafft.
Pimmel, Schwengel, Lümmel und Dödel sind mir zu prollig.
Wonnestab, Lustzapfen und Samenspender schreien geradezu nach Parodie. Da gute
erotische Geschichten aber den Humor in den Sexszenen auf ein Minimum
reduzieren, sind die Worte nicht zu gebrauchen. Prügel und Keulen haben selbst
im SM-Bereich nichts verloren. Rohr, Riemen, Kolben und Gartenschlauch eigenen
sich bestenfalls für das beliebte Subgenre der Poolreiniger- und
Handwerker-Erotik. Bei Joystick denke ich an Luke Skywalker, bei Flöte an
Mozart. Schlangen sind Tiere. Willi und Liane würden ein super Paar abgeben.
Und Pippimann klingt total unerotisch.
Meine Damen haben eine Vagina oder eine Scheide. Ab und zu
eine Spalte oder einen Schlitz, das kommt auf den Kontext an. Verschont mich bitte
mit Muschi, Möse, Dose, Pflaume oder Zaubergarten. Mit Fotze und Fickspalt
sowieso. Sach mal, geht’s noch? Auch auf Kreatives wie Einflugschneise,
Schwanzschatulle, Samensammelstalle oder Fischbrötchen verzichte ich gerne. Oder
hört sich „Sein Dampfhammer ergoss seine heiße
Sahne in ihren Liebespudding“ vielleicht erotisch an?
Bei der Oberweite halte ich mich streng an die drei Bs.
Nämlich Brust, Brüste, Busen. Nicht mit Bällen, Beulen und Ballons verwechseln!
So verlockend Airbags, Titten, Hupen, Wonnehügel oder Quarktaschen auch sein
mögen, in erotischen Geschichten haben sie nichts verloren. Außer vielleicht im
Dialog, denn Dirty Talk ist natürlich
erlaubt und willkommen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen