Freitag, 1. November 2013

Dirty Talk: Dinge beim Namen nennen



Erotische Geschichten drehen sich bekanntlich um erotische Handlungen. Mit anderen Worten: Es wird §?@$!#% bis sich die Balken biegen, das Lattenrost kracht und die Bettfedern springen. Was die Damen und/oder Herren da so miteinander anstellen, ist ziemlich eindeutig. Die Frage ist nur, wie finde ich dafür die passenden Worte?

So wie ich das sehe, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder beschränke ich mich auf vorsichtige Andeutungen und achte darauf, dass die bis zum Kopf hochgezogene Bettdecke nicht verrutscht. Ungefähr so: „Ihre Körper wanden sich in Ekstase, bis sie endlich den ersehnten Höhepunkt erreichten, der wie ein Tropengewitter über sie hereinbrach.“ Etwas schwulstig, aber du merkst schon, worauf ich hinaus will.

Oder ich gehe unter die Hardcore-Autoren und widme mich den schlüpfrigen Details. „Als sein gewaltiger Zauberstab in ihre triefende Lustgrotte eindrang, fand ihr geiler Kitzler endlich Erlösung.“ Ach, du meine Güte, klingt das scheiße! Wenigsten muss der Leser nicht lange überlegen, was sich die Textschlampe unter einem Tropengewitter vorstellt. Trotzdem liest sich der Satz billig und verklemmt. Billig, weil die Handlung irgendwie banal ist. Verklemmt, weil ich die Dinge nicht beim Namen nenne. Ich bezeichne sein bestes Stück als Zauberstab. Hubs, habe ich gerade bestes Stück geschrieben? Das ist ja schon wieder eine verklemmte Umschreibung.

Also gut: „Als sein pulsierender Penis in ihre feuchte Scheide eindrang, fand ihre Klitoris endlich Erlösung.“ Mal ganz davon abgesehen, dass ein gleichzeitiger vaginaler und klitoraler Orgasmus eher ins Reich der Legenden gehört, liest sich der Text auch nicht besser. Der Heftroman hat sich gerade in ein Anatomiebuch verwandelt.

In meiner Kurzgeschichte benutze ich meistens die Wörter Penis oder Schwanz. Ganz glücklich bin ich mit beiden nicht. Penis ist mir oft eine Spur zu neutral. Es hört sich so korrekt an wie ein Dudeneintrag und erinnert mich an Arztpraxen, die Volkszählung oder den Steuerbescheid. Genau wie Glied, das mir gar nicht gefällt. Sobald mein versautes Pärchen in Fahrt kommt, schreibe ich Schwanz. Lächerliche Umschreibungen wie „seine pralle Männlichkeit“ gehen gar nicht, da greife ich lieber zum bewährten Ständer. Ganz selten kommt mir schon mal ein bestes Stück unter, aber nie in Sexszenen. Die Morgenlatte hat es auch schon aufs Papier geschafft.

Pimmel, Schwengel, Lümmel und Dödel sind mir zu prollig. Wonnestab, Lustzapfen und Samenspender schreien geradezu nach Parodie. Da gute erotische Geschichten aber den Humor in den Sexszenen auf ein Minimum reduzieren, sind die Worte nicht zu gebrauchen. Prügel und Keulen haben selbst im SM-Bereich nichts verloren. Rohr, Riemen, Kolben und Gartenschlauch eigenen sich bestenfalls für das beliebte Subgenre der Poolreiniger- und Handwerker-Erotik. Bei Joystick denke ich an Luke Skywalker, bei Flöte an Mozart. Schlangen sind Tiere. Willi und Liane würden ein super Paar abgeben. Und Pippimann klingt total unerotisch.

Meine Damen haben eine Vagina oder eine Scheide. Ab und zu eine Spalte oder einen Schlitz, das kommt auf den Kontext an. Verschont mich bitte mit Muschi, Möse, Dose, Pflaume oder Zaubergarten. Mit Fotze und Fickspalt sowieso. Sach mal, geht’s noch? Auch auf Kreatives wie Einflugschneise, Schwanzschatulle, Samensammelstalle oder Fischbrötchen verzichte ich gerne. Oder hört sich „Sein Dampfhammer ergoss seine heiße Sahne in ihren Liebespudding“ vielleicht erotisch an?

Bei der Oberweite halte ich mich streng an die drei Bs. Nämlich Brust, Brüste, Busen. Nicht mit Bällen, Beulen und Ballons verwechseln! So verlockend Airbags, Titten, Hupen, Wonnehügel oder Quarktaschen auch sein mögen, in erotischen Geschichten haben sie nichts verloren. Außer vielleicht im Dialog, denn Dirty Talk ist natürlich erlaubt und willkommen.

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