Die meisten erotischen Geschichten erinnerten mich an Action
Filme. Das soll kein Kompliment sein. Action Filme langweilen mich oft, weil
sie bloß irgendwelche immer gleichen Aktionen aneinander reihen. Ungefähr so: Der Action-Held hechtete über die Motorhaube
des Landrovers, der Sekunden später in einem riesigen Feuerfall verglühte,
ballerte das Magazin leer und ging hinter dem Jägerzaun in Deckung. Und so
klingen vielen erotische Geschichten: Der
Frauen-Held riss der süßen Sekretärin das enge Kleidchen herunter, das ihren
heißen Körper verhüllt hatte, vergrub seinen Kopf in ihren festen Brüsten und
begann damit, ihre harten Nippel mit der Zunge zu umspielen.
Nichts gegen feste Brüste und harte Nippel. Sie gehören in
erotische Geschichten wie explodierende Autos und rauchende Schrotflinten in
Action Filme. Sie sind nette Genre-Zutaten, aber sie einfach bloß aneinanderzureihen,
reicht nicht. Trotzdem passiert in vielen Erotik-Geschichten genau das.
Im Kino mag das sogar funktionieren, wenn die visuellen
Reize stark genug sind. Beeindruckende Effekte, waghalsige Stunts, üppige
Ausstattung und Ryan Reynolds reißen eine Menge raus. Bei Filmen gibt’s immer was
zu sehen, bei Texten nicht. Da müssen die Bilder im Kopf entstehen. Das Abspulen
des immer Gleichen führt schnell zum Deja-vu. Fest Brüste und harte Nippel? Die
gab’s doch schon in der letzten Geschichte.
Moment mal, bei Pornos
beschwert sich doch auch keiner, könnte der beleidigte Erotik Autor jetzt einwerfen.
Aber Pornos leben von schönen Körpern und erinnern in ihrer Dramaturgie ein
bisschen an Circus-Nummern. Manege frei
für die Schlangenfrau und ihren wilden Hengst! Freuen sie sich auf ein
Feuerwerk der Akrobatik! Wer aus den Stand in ein Spagat springen oder auf
andere Weise gekonnt die Beine spreizen kann, kann auf eine Handlung getrost
verzichten.
In Trailer von Action Filmen wird gerne drauf hingewiesen,
dass DIESEN SOMMER oder DIESES JAHR oder JETZT alles noch größer, lauter und
teurer wird. Auch manche Erotik Autoren ziehen gerne die Daumenschrauben an,
lassen es richtig krachen, brechen ein paar Tabus – oder kratzen zumindest
daran. Leider ist extremer nicht unbedingt erotischer. Das eigentliche Problem aber
ist, dass der Reiz auch hier schnell verfliegt, wenn wieder nur
aneinandergereiht wird, wenn der erotische Höhepunkt aus seitenlangen Beschreibungen
von bekannten Sex-Praktiken besteht.
Ein explodierendes Auto bleibt ein explodierendes Auto. Aber
kann es nicht wenigstens lustig explodieren? Selbstverständlich! Das Erfolgsrezept
der Action Komödie lässt sich auch auf erotische Geschichten übertragen. Die
vor Klischees und Champagner triefenden Erotikserie Caprice dreht sich um heiße
Models, scharfe ReporterInnen und gut gebaute Jachtbesitzer. Der erste Teil
liest sich gar nicht schlecht, weil die Autorin ihn kräftig mit Humor gewürzt
hat. Die immer gleichen Sexszenen werden bewusst zur Farce überdreht.
Bettgeflüster wird Teil der Handlung, wenn die Reporterschlampe Sex zur
Informationsgewinnung oder zur Tarnung (Stichwort: Undercover) nutzt. Das unterhält
für eine Weile, ermüdet aber letztlich dennoch. Gegen eine uninspirierte
Handlung und austauschbare Figuren kommt Humor eben auf Dauer auch nicht an. Wohldosiert
kann Humor Bettgeschichten aber sehr bereichern. Einen guten One-liner gehört
in jeden Action Kracher.
In Action Filmen werden Konflikte zumeinst lautstark mit
Waffen ausgetragen. Leider halten sich viele erotische Geschichte eher an das Make Love, Not War Motto von Pornos. Da
wird gekuschelt und *?$!&§#, ohne dass es irgendwelche Probleme gibt. Folglich
geht der Geschichte bald die Luft aus. Natürlich ist das nicht immer so. Shades of Grey lebt von seinen Konflikten. Christian Grey will keine Liebesbeziehung,
Anastasia Steele schon. Er will, dass sie sich ihm unterwirft. Sie will, dass
er sich ihr öffnet. Zumindest im ersten Drittel (des ersten Romans) klappt das
sehr gut, danach dümpeln die Konflikte leider vor sich hin und das Umblättern
der Seiten fällt zunehmend schwerer, was eigentlich schade ist.
Konflikte sind mit Figuren verknüpft. Das Action Kino ist
nicht gerade berühmt für ausgefeilte Figuren, aber es gibt sie natürlich, und
gerade in Buddy-Movies bestimmen sie oft die Szenen. Statt eines Einzelkämpfers
a la Rambo ballert sich ein ungleiches Paar, z.B. die Bad Boys, gemeinsam bis
zum Showdown durch. Ungleiche Paar funktionieren auch im Schlafzimmer gut. Männlich
und weiblich, dominant und devot, erfahren und unerfahren, reich und arm, alt und
jung, Gegensätze ziehen sich eben an. Klassische Beispiele sind Mr. Grey und
Ms. Steele, Edward Lewis und Vivian Ward (leider bleibt in Pretty Woman die
Schlafzimmertür meistens geschlossen). Oft wird die Geschichte aus der
Perspektive der schwächeren Person erzählt, der devoten, armen und jungen Frau.
Auch Action Filme haben eine Schwäche für Underdogs, die sich erst behaupten
müssen.
Eine gute Geschichte braucht lebendige Figuren und
interessante Konflikte. Natürlich ist das ein ganz alter Hut, aber die
wenigsten Erotik Autoren (die ich gelesen habe) ziehen ihn sich an. Es wird
nicht mal der Versuch unternommen, mehr als nur eine Wichsvorlage zu schreiben.
Eine gute erotische Geschichte sollte eine Achterbahnfahrt der Gefühle sein.
Egal, ob Liebe, Wollust, Begehren, Eifersucht, Gewissensbisse, irgendwas davon
muss rein. Und zwar richtig. Sonst bleibt der Poolreiniger ein wandelndes Klischee,
das auch nicht interessanter wird, wenn sein bestes Stück in allen Einzelheiten
beschrieben wird. Und das läufige Au-pair Mädchen, das DIESES JAHR extra dicke
Titten hat, kann es auch nicht rausreißen. Hasta
la vista, baby!
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